Pferdezahnpflege

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Zähne

Das Pferdegebiss - die Anpassung an eine Lebensform

Zahnaufbau im Vergleich Menschen / Pferd

Mensch

  • Schmelzkappenzahn
  • Überwiegend schneidende, quetschende Zähne
  • Angepasst an alle Nahrungsformen

Pferd

  • Schmelzfaltzahn
  • Überwiegend mahlende Zähne; spezialisiert auf langfaserige Nahrung
  • Pflanzenfressergebiss

Vergleich Pferdezahn mit menschlichem Zahn

 

Grössenvergleich Pferdezahn zum Kugelschreiber

Zahnschmelz als härteste biologische Substanz

Dentin oder Zahnbein bildet das innere des Zahnes und umgeben die Pulpen Zahnzement ähnelt dem Aufbau des Knochens, dient der Verankerung des Zahnes im Zahnfach Beim Pferd sind alle drei Zahnhartsubstanzen an der Zahnoberfläche vertreten.

Beim Pferd sind alle drei Zahnhartsubstanzen an der Oberfläche vertreten

 

Aufgaben der Zähne

Mensch

Schneiden, Zerkleinern, Quetschen, Kommunikation / Sprache

Pferd

Mahlen, Reiben, Verteidigung, Kommunikation, Fellpflege

 

Zahnalterung

Mensch

    Durch natürliche Einflüsse nimmt Zahnsubstanz ab, bis der Zahn ausfällt. Zahnerhaltung bzw Zahnersatz durch moderne Materialien möglich.

Pferd

    Wird durch Reibung jedes Jahr um ca. 3mm verkürzt, bis die Zahnsubstanz aufgebraucht ist.
    Zahnersatz derzeit nicht möglich; Zahnerhaltung durch regelmäßige Vorsorge wesentlich verbessert.

 

Übersicht der möglichen Abnutzung durch ...

1. Zahnspitzen

Die Zahnspitzen zählen zu den häufigsten Zahnproblemen bei den Pferden. Die Zahnspitzen kommen an den Oberkieferbackenzähnen auf der bukkalen (an der Wange) und an den Unterkieferbackenzähnen an der lingualen (zur Zunge) Seite vor.

schematische Darstellung der Zahnspitzen

schematische Darstellung von Zahnspitzen

Die Ursache ist meist die Umstellung von Rauhfutter auf Kraftfutter, welches eine reduzierte Kautätigkeit zur Folge hat. Die wenigen Kauschläge und die kleinere Exkursionen führen zu einer reduzierten Abnützung an der Außenseite des Oberkiefers und beim schmalen Unterkiefer auf der Innenseite.

Diese scharfen Spitzen führen zu Schleimhautverletzungen an der Backen- und Zungenschleimhaut, die als weitere Folge Entzündungen, Infektionen und auch Zungenabszesse haben. Mit diesen Verletzungen nimmt die Zerkleinerung des Futters noch weiter ab und kann dann z.B. zu Koliken und Abmagerung führen. Weitere Anzeichen sind schlechtes Fressverhalten, stumpfes Haarkleid, Probleme mit der Trense.

Um dem entgegen zu wirken und somit die Folgekosten zu vermeiden werden die Zahnspitzen abgeraspelt.

 

2. Zahnhaken, Hooks

Unter den Zahnhaken versteht man eine ungenügende Abnützung der ersten oder letzten Backenzähne. Am häufigsten sind die Zähne 106, 206, 311 und 411 (dreistellige Zahnnummerierung nach Triadan) betroffen.

 

Pferdeschaedel mit massiven Zahnhaken

Pferdeschädel mit massiven Zahnhaken, wie man es leider häufig antrifft.

Bei einem Überbiss werden die ersten und letzten Zähne nur teilweise abgenutzt, so dass dadurch Zahnhaken entstehen, die größer und somit spitzer werden. Als weiterer Grund ist die schlechte Zahnpflege anzuführen, wenn mit der Raspel die letzen Zähne nicht erreicht werden, entwickeln sich dort Zahnhaken.

Die Behebung der Zahnhaken geschieht durch das Abraspeln der Zahnhaken!

 

3. Meißelzahn

Unter dem Meißelzahn versteht man einen einzelnen Zahn, der stark über die anderen Zähne vorsteht. Der Grund dafür ist, dass der Antagonist fehlt, weil dieser infolge eines Traumata, einer Extraktion oder Missbildung ausgefallen oder gezogen wurde.

Sie werden die üblichen Symptome wie schlechte Futteraufnahme, Abmagerung, … bei dem Pferd feststellen. Hier muss der Zahn -sinnvoller Dinge in mehreren Sitzungen- abgeraspelt / abgeschliffen werden, damit die Pulpahöhle nicht eröffnet wird.

Meisselzahn

 

4. Wellen- und Treppengebiss

Bei dieser Bezeichnung versteht man den Höhenunterschied der Zähne mit Erhöhungen und Vertiefungen, sowie deren Veränderung.Diese Unregelmäßigkeiten treten z.B. auf, wenn die Zähne durch das Zahnfleisch stoßen und zum anderen, während des Zahnwechsels. Als weitere Gründe sind die unterschiedliche Festigkeit eines Zahns und ein unregelmäßiger Abnutzungsgrad einzelner Zähne.

Das Pferd zeigt eine gestörte Kautätigkeit und auch Abmagerungserscheinungen.

Die Behebung des Schadens ist schwierig, zeitaufwendig und muss geplant werden, um dieses wiederherzustellen. Manchmal ist es schon soweit fortgeschritten, dass man einen Kompromiss eingehen muss, um die Funktionsfähigkeit eines vorher völlig normalen Gebisses herzustellen. Als erstes werden die Zahnspitzen korrigiert, um weitere Verletzungen auszuschließen. Anschließend können noch in der ersten Sitzung einige extreme Wellen durch vorsichtiges kürzen korrigiert werden. Andere Wellen werden in einem Folgetermin behandelt.

exemplarische Darstellung von einem Wellengebiss

 

5. Scherengebiss

Das Scherengebiss beinhaltet eine übermäßige Winkelung zwischen den beiden Kauflächen der Ober- und Unterkiefer eines älteren Pferdes. Es kommt zu einer unregelmäßigen Abnutzung und Bildung von sehr langen und extrem scharfen Kanten. Diese Kanten treten entweder an einzelnen oder an ganzen Zahnreihen auf.

Die Ursache dafür kann ein übermäßiger Breitenunterschied zwischen Ober- und Unterkiefer sein, der dann zu einem Scherengebiss führt.

Als Symptom wird man eine gestörte Kautätigkeit und Abmagerungen sehen.

Es müssen alle scharfen Kanten entfernt werden und der Gebisswinkel sollte korrigiert werden.

 

Verschiedene Zahnarten

1. Schneidezähne - Inzisivi
2. Hengstzähne - Canini
3. Backenzähne - Prämolaren und Molaren
4. Wolfszähne (= P1)
5. Persistierende Milchzähne
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Einfache Zahnaltersschätzung

typische Gebissentwicklungsstufen in den Lebensabschnitten eines Pferdes:

Typische Gebissentwicklungsstufen in den Lebensabschnitten eines Pferdes